Investment letter
JAPANS UNSCHEINBARE WACHSTUMSWERTE: EIN ANLAGEKONZEPT AUF DER GRUNDLAGE VON IKIGAI
03.06.2026
Auf den ersten Blick mag Japan derzeit als besonders schwieriger Investitionsstandort erscheinen: Geopolitische Spannungen, steigende Energiekosten, Handelskonflikte – die Schlagzeilen von 2026 zeichnen ein schwieriges Bild. Doch es gibt eine andere Seite, die in diesen Berichten übersehen wird: das Japan der stillen, widerstandsfähigen Unternehmen, die darauf ausgelegt sind, unabhängig vom makroökonomischen Umfeld zu wachsen. Diese Widerstandsfähigkeit hat tiefe Wurzeln und basiert auf dem, was die Japaner als „Ikigai“ bezeichnen – die Motivation zum Durchhalten –, eine Philosophie, die durch vier Jahrhunderte der Selbstständigkeit geprägt wurde und bis heute bestimmt, wie sich das Land unter Druck organisiert. Unser Anlageansatz basiert auf dieser japanischen Denkart.
KERNAUSSSAGEN:
- Japan ist ebenfalls den aktuellen geopolitischen und energiepolitischen Turbulenzen ausgesetzt. Jedoch sind unsere Unternehmen globale Franchise-Unternehmen, deren Gewinne weitgehend unabhängig von Japans Energieversorgung sind.
- Wir glauben, dass qualitativ hochwertige Wachstumsunternehmen gut aufgestellt sind, um Phasen der Turbulenz zu überstehen. Die Widerstandsfähigkeit japanischer Unternehmen scheint stärker zu sein, als es die Marktstimmung vermuten lässt.
- Wir glauben, dass dauerhafte Wettbewerbsvorteile in schwierigen Märkten eine wichtige Verteidigungslinie darstellen. Wir suchen nach Unternehmen mit Preissetzungsmacht und dem Potenzial für strukturelles Wachstum, anstatt nach solchen, die in erster Linie den makroökonomischen Bedingungen ausgesetzt sind.
- Wir sehen Chancen statt Risiken. Unserer Ansicht nach spiegeln die aktuellen Bewertungen die Qualität oder das Ertragspotenzial der von uns in Japan gehaltenen Unternehmen nicht vollständig wider.
KRISEN GEHEN VORÜBER. ZIELE BLEIBEN BESTEHEN.
Japan hat bereits früher Energiekrisen gemeistert. Das Embargo der Organisation arabischer Erdöl exportierender Länder (OAPEC) von 1973 löste ein grundlegendes Umdenken in der Energiepolitik des Landes aus, dessen Auswirkungen bis heute sichtbar sind: strategische Reserven, die mittlerweile dem Inlandsverbrauch von 254 Tagen entsprechen, eine diversifizierte Versorgung mit Flüssigerdgas (LNG) und ein institutionelles Gedächtnis, das Störungen in politische Maßnahmen umsetzt, anstatt in Lähmung.
Japan ist nach wie vor zu rund 95 % von Rohölimporten aus dem Nahen Osten abhängig, wobei etwa 70 % dieser Importe durch die Straße von Hormus transportiert werden,² doch die Freigabe von Ölreserven für rekordverdächtige 50 Tage seit Beginn der Nahostkrise zeigt, dass der nach 1973 aufgebaute Puffer nicht nur theoretischer Natur ist. Er ist ein aktives politisches Instrument und wird bereits genutzt.
Die Disruptionen sind real: Die Ölpreise sind auf deutlich über 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen, der Schiffsverkehr ist stark beeinträchtigt, und der Inflationsdruck nimmt zu. Doch die makroökonomischen Auswirkungen sind nicht einheitlich – und genau dieser Unterschied ist für uns entscheidend.